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Zwei Wochen Anstalt

Aloha.
Ich hatte in den letzten Tagen wirklich völlig andere Pläne. Aber die hat mein Körper mir mal toll durchkreuzt.
Fakt ist, am 15. bin ich ins Krankenhaus gekommen via Einweisung. Ich habe seit Wochen Kopfschmerzen und habe es einfach nicht mehr ausgehalten, bzw hat mein Mann mich einfach mal gepackt und zum Arzt gebracht. Wenn ich Wochen sage, meine ich: seit mindestens mitte Januar. Mal schob ich das aufs Wetter, mal auf Stress, dann doch eine Muskelverspannung oder meine üblichen, gewöhnlich regelmäßig auftretenden Kopfschmerzen. Ich warf eine Kopfschmerztablette nach der anderen ein, ich habe das über Tage nicht mal groß bemerkt. Man hat dann doch noch etwas anderes zu tun und überhaupt: Kopfschmerzen hat man ja einfach manchmal. Aber meinem Mann wurde es dann irgendwann doch komisch, nachdem ich tagelang nach der Arbeit nur noch auf der Couch rumlag, den Haushalt ignorierte und sich die leeren Blister und neue Packungen Schmerzmittel stapelten. Wie schon gesagt, mir ist das nicht aufgefallen.

Der Arzt sagte dann, so wie ich es beschreibe sollte man das lieber im Krankenhaus anschauen. Ich versuchte noch am gleichen Tag aufgenommen zu werden, aber der Mensch in der Notaufnahme sagte ich solle lieber am nächsten Tag in die neurologische Ambulanz kommen. Gut.
Also am nächsten Tag hin, Zugang, MRT, Anamnese, Untersuchung, Aufnahme. Ich bekam erst mal Ibuprofen. Ergebnis ließ bis Montag auf sich warten. Und die erste Diagnose lautete auch erst mal "Sinusitis", obwohl Montag noch ein MRT und EEG gemacht wurden und ich einen Gesichtsfeldtest machen musste. Dienstag entließ man mich dann und ich war eigentlich drauf und dran, Donnerstag wieder zu arbeiten. Mein Hausarzt sagte mit ein wenig Kopfweh könnte ich das ja und verschrieb mir Schmerztropfen und ein Antibiotikum. 

Nope. 

In der Nacht auf Mittwoch verschlimmerten sich meine Schmerzen aufs Neue. Ich hatte in der Nacht schon angefangen, mir alle 2 Stunden etwa 30 Tropfen Novalgin reinzupfeifen ohne irgendeinen Effekt. Trotzdem ging ich erst mal zum HNO, der mir versicherte, dass die Nebenhöhle zwar etwas entzündet sei, aber die Kopfschmerzen die ich beschriebe passten so gar nicht dazu. Ausserdem stünde in meinem Entlassbrief etwas von "Verdacht auf Hypophysitis", was denn dagegen gemacht worden sei. Nix, sagte ich ihm. Ich solle in ein paar Monaten zur Kontrolle kommen. "Also ich würde fast wetten, dass Ihre Probleme eher damit zu tun haben als mit dem Bisschen Nasennebenhöhlenentzündung.", gab er mir mit auf den Weg.
Irgendwie war ich danach richtig geknickt. Immerhin war ich so froh, endlich aus dem Krankenhaus raus zu sein, mein Kind war so erleichtert, nachdem die letzten beiden Familienmitglieder es nicht lebend aus dem Krankenhaus geschafft hatten, mich wieder Zuhause zu haben. Und ich war völlig sauer auf alle, die mir einen neurologischen Befund weder mitteilten, noch meine Probleme darauf zurückführten.
Am Ende half alles nix, mittags waren die Schmerzen so unerträglich, dass ich meinen Mann von der Arbeit holte, ich musste wieder ins Krankenhaus gehen. Ohne Einweisung. "Dann dauert es aber lang!", sagte man uns. Okay, aber wie sollten wir mittwochs nach 12 noch eine bekommen? Es hieß also warten. In vier Stunden liefen die Ersteinschätzung, eine internistische und eine neurologische Untersuchung und irgendwann auch ein Schmerzmittel. Das wirkte aber nicht. Mein Fazit: "Schatz, die glauben mir nicht, dass ich Schmerzen habe. Und wieso hilft das Zeug nicht???". Irgendwann hieß es es gibt ein Bett. Auf der Geriatrie. Also eher hätte ich auf dem Besucherklo geschlafen als da.

Du bist zwar gaga, aber nicht so, urteilte ein Freund von mir. 

Aber alles fügte sich doch noch und ich konnte auf die Neurologie, bekam ein Bettchen und legte mich erst mal ab. Aber dann passierte wieder nix. Ich wurde langsam völlig wahnsinnig vor Schmerzen. Normalerweise ist mein Mann ein sehr zurückhaltender Mensch, der nicht viel sagen muss. Seine Körpergröße ist Statement genug. Aber irgendwann ist sogar er mal etwas ungehaltener im Ton geworden und mit Unterstützung einer Schwester stand bald eine Ärztin an meinem Bett.
"Ich habe nochmal alle Unterlagen von Ihnen bis gestern gesichtet. Wir versuchen jetzt mal Kortison. Wenn das hilft, haben Sie eine Hypophysitis.". Etwa anderthalb Stunden später war ich wieder ein Mensch. Nicht schmerzfrei, aber in der Lage ein paar Schritte zu gehen, sich zu unterhalten und überhaupt irgendwie ansatzweise normal zu sein. Also das war dann das Urteil, Hypophysitis. Hatte ich bis dahin auch noch nicht gehört. Hypophysitis ist recht selten und deswegen weiß man leider noch nicht so viel darüber.
Leider hielt das alles nur knapp 12 Stunden an, am Donnerstag wurde ich erneut von wahnsinnigem Kopfweh wach. Ich konnte mich kaum verständigen, klingelte immer wieder nach den Schwestern, die alle viel Mitleid aber keine Handhabe hatten weil nichts angeordnet war. Ich habe mich wirklich extrem hilflos gefühlt. Aber bis zur Visite habe ich durchgehalten, die Ärztin war ganz erschrocken und gab mir wieder Kortison, eine Stunde später ging es mir wieder besser. Mittags kam sie mit dem Chefarzt wieder. Der kündigte mir an, dass ich jetzt mal vollständig auf links gedreht würde, so eine Hypophysitis wäre sehr selten und es würde sie schon interessieren woher das jetzt käme.
In den folgenden Tagen nahm man mir ziemlich permanent Blut ab, steckte mich zum Röntgen, zum Ultraschall, ließ mich Ein- und Ausfuhrprotokoll führen, unterzog mich einem Zuckertoleranztest und machte noch allerhand weiteres Theater mit mir. So richtig auf die Ursache sind sie nicht gestoßen. Das wird die Zeit jetzt zeigen. Aber positiv zu vermerken ist, dass es mir tatsächlich immer besser ging. 

Auf mein Drängeln wurde ich vorgestern (wieder ein Dienstag) entlassen. Eigentlich wollten sie mich noch einen weiteren Tag dabehalten, aber bei mir war irgendwie das Ende der Fahnenstange erreicht. Auf der Neurologie liegen halt nicht unbedingt Menschen meiner Altersklasse, da liegen viele sehr unterschiedliche Diagnosen nebeneinander und müssen sich arrangieren, das ist sehr anstrengend. Und ich glaubte, den absoluten Koller zu kriegen, wenn ich noch eine Nacht hätte bleiben müssen. Medizinisch bestand zudem keine zwingende Indikation mehr, weswegen ich nach kurzem Gespräch doch gehen durfte.

Morgen muss ich nochmal ins MRT, ich werde Montag dann über die Ergebnisse informiert, weitere Untersuchungen folgen noch. Man hat mich direkt auf kompletten Entzug vom Kortison gesetzt. Das war schon heftiger als gedacht, aber mit genügend Ruhe funktioniert es ganz gut.
Jetzt konzentriere ich mich erst mal auf meine Genesung, genieße meine Familie und entwöhne mich von den Schmerzmitteln, die ich die letzten Wochen so lustig eingeworfen habe, ohne zu wissen dass es nichts helfen wird.

Ich kann jedem nur dringend raten, Kopfschmerzen die tagelang nicht weggehen dringend untersuchen zu lassen und es nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

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